Eine aktuelle Studie der Sozialorganisation Aktion Mensch macht deutlich, dass Künstliche Intelligenz die digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderungen erheblich verbessern kann. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass viele Betroffene bislang nicht gleichermaßen von den Möglichkeiten der Technologie profitieren. Nach Einschätzung der Organisation hängt dies vor allem davon ab, ob KI-Anwendungen barrierefrei und inklusiv entwickelt werden.
Im Rahmen der Untersuchung wurde analysiert, wie Menschen mit Behinderungen Künstliche Intelligenz nutzen und welche Erwartungen sie an entsprechende Anwendungen haben. Viele Befragte greifen bereits regelmäßig auf KI-gestützte Dienste wie Sprachassistenten oder Chatbots zurück. Besonders häufig werden sie genutzt, um Informationen zu erhalten, Übersetzungen anzufertigen, Texte vorlesen zu lassen oder Unterstützung im Alltag zu bekommen. Darüber hinaus helfen KI-Anwendungen vielen Nutzerinnen und Nutzern dabei, ihren Tagesablauf besser zu organisieren oder selbstständiger zu leben.
Die Ergebnisse machen jedoch auch auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam. Ein Teil der Menschen mit Behinderungen hat bislang keine eigenen Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz gesammelt oder sieht aufgrund mangelnder Barrierefreiheit erhebliche Hürden bei der Nutzung. Nach Ansicht der Studienautoren besteht deshalb die Gefahr, dass sich die digitale Kluft weiter vergrößert, wenn Barrierefreiheit bei der Entwicklung neuer Technologien nicht konsequent berücksichtigt wird.
Neben technischen Hürden spielen auch Unsicherheiten im Umgang mit KI eine Rolle. Einige Befragte äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Fehler, mangelnder Transparenz oder eines Kontrollverlustes. Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen verständlichere Informationen über die Funktionsweise von KI-Systemen sowie diskriminierungsfreie und barrierefreie Anwendungen. Ebenso sprechen sie sich für eine stärkere Beteiligung von Menschen mit Behinderungen bei der Entwicklung neuer Technologien aus.
Aktion Mensch fordert deshalb, Inklusion und Barrierefreiheit bereits bei der Entwicklung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz verbindlich zu berücksichtigen. Zudem seien barrierefreie Bildungs- und Unterstützungsangebote notwendig, damit möglichst viele Menschen die Chancen der Technologie nutzen können. Gleichzeitig sollten geeignete Mechanismen geschaffen werden, um Diskriminierung durch KI-Anwendungen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Die Studie verdeutlicht, dass Künstliche Intelligenz einen wichtigen Beitrag zu mehr Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe leisten kann. Damit dieses Potenzial allen Menschen gleichermaßen zugutekommt, sehen die Autoren jedoch weiteren Handlungsbedarf bei Barrierefreiheit, Aufklärung und einer inklusiven Gestaltung digitaler Technologien.
